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Wandervogelarchiv


Sudetendeutscher Wandervogel

 

Geschichte

Der Wandervogel ist eine Bewegung, die kurz nach der Jahrhundertwende, von Berlin ausgehend, die deutschsprachigen Gebiete erfasste und dort für die, im satten Bürgertum ihrer Eltern befangen Jugend Beispiel, Ansporn und Leitbild wurde. Er führte sie aus ihren engen Konventionen zu einem unbeschwerten, einfachen Leben, zu Wandern und Naturerlebnis, weckte ihr Interesse für Volkslied und Volkstanz und gab ihr das Gefühl einer bisher nie gekannten Freiheit in selbst erkannten und selbst gesetzten Grenzen. Dafür forderte er von ihr Abstinenz von Alkohol und Nikotin, Kameradschaft, Wahrhaftigkeit, innere Disziplin und einen aufrechten, anständigen Charakter.

 

Diese Forderungen fanden 1913 in der, „Meißner Formel" ihren Ausdruck: „Wir wollen unser Leben nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung und mit innerer Wahrhaftigkeit gestalten."

 

Auch in den deutschsprachigen Gebieten Alt-Östereichs fand der Wandervogel bald Anhänger. So entstand 1909 in Prag (Böhmen war ja ein Kronland Alt-Österreichs) die erste Wandervogelgruppe in der Monarchie, der bald weitere Gruppen in vielen Städten des deutschsprachigen Gebietes dieses Staates folgten.

 

Der ,,Österreichische Wandervogel" fand rasche Verbreitung. 1913 bestanden bereits 63 Gruppen. Diese Aufwärtsentwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg jäh unterbrochen. Unmittelbar vor dem Bundestag in Salzburg, rückten fast alle älteren Wandervögel zu ihren Truppenteilen ein. Viele von ihnen fielen und fehlten so in den Gruppen. Ihre Arbeit wurde von den Mädchen übernommen.

 

Das Jahr 1918 stellte dann mit dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie den Wandervogel vor neue Probleme. Durch die Errichtung der Tschechoslowakei, in die die sudetendeutsche Volksgruppe gegen ihren Willen zwangsweise eingegliedert wurde, wurden die in den Sudetenländern beheimateten Wandervogelgruppen von ihren Freunden in Österreich getrennt und waren auf sich selbst gestellt. So entstand zwangsläufig der ,,Sudetendeutsche Wandervogel''. Eingebunden in die nun unausweichlich ausbrechende Auseinandersetzung zwischen Tschechen und Deutschen erweiterte sich seine Arbeit schlagartig. Obzwar weder politisch noch konfessionell gebunden, trat nun neben die bisherigen Bestrebungen musischer und volkskundlicher, lebensertüchtigender und charakterbildender Art die Sorge um den Erhalt der Volksgruppe, der deutschen Sprache, der deutschen Schule und Kultur.

 

Nur rd. 30 Jahre nach der Gründung der ersten Wandervogelgruppe in Prag kam es vor der Eingliederung des Sudetengebietes in das Reich zur Selbstauflösung des Sudetendeutschen Wandervogels.

 

Es war das unvermeidbare Ende einer einmaligen Gemeinschaft, die in drei Jahrzehnten zur Wiederentdeckung der stammlich bestimmten Volkskultur geführt hatte, eine beispielhafte Leistung, um die uns andere Volksgruppen beneiden könnten. Die Ausstrahlungen des Sudetendeutschen Wandervogels haben unübersehbare, tiefe Spuren in der Kultur, der Literatur, in Kunst und Wissenschaft, in der Politik, der Volkstumsforschung, in Volkslied und Volkstanz und besonders im Schulwesen der Volksgruppe hinterlassen, Spuren, die auch heute noch wirksam und nachweisbar sind. Seine Mitglieder aber hat der Sudetendeutsche Wandervogel tief geprägt, seine Ideale erfüllen noch heute ihr Leben. Diese konnte ihnen keine Gleichschaltung, keine Vertreibung und auch der Zusammenbruch und der darauf folgende schwere Existenzkampf als Vertriebene rauben. Ihr Zusammengehörigkeitsgefühl blieb unverbrüchlich.

 

 

Neuanfang nach dem Kriege

 

Bald nach Ende des zweiten Weltkrieges, Ende der 40er- Anfang der 50erJahre, begannen sich die aus ihrer Heimat Vertriebenen oder aus Kriegsgefangenschaft Entlassenen und in Deutschland und Osterreich weit verstreut lebenden ehemaligen Sudetendeutschen Wandervögel lose zu örtlich und darüber hinaus landschaftlich bestimmten Gruppen zu scharen. Hubert Mayer (Bazius), der letzte Gauherzog des Gaues Mähren-Schlesien, versuchte, diese zu sammeln und erfasste ihre Anschriften. Schon 1955 riefen Hubert Mayer (Bazius) und Ruprecht Steinacker, der letzte Bundesleiter des Sudetendeutschen Wandervogels vor seiner Auflösung 1938, zu einem Treffen auf, das im selben Jahre in Waldkraiburg stattfand. Dort wurde ein loser Zusammenschluss und die Herausgabe eines Nachrichtenblattes beschlossen, das noch im selben Jahr, von Hubert Mayer herausgegeben, erschien. 1956 erfolgte dann die Gründung der, „Älterengemeinde Sudetendeutscher Wandervögel e.V." mit körperschaftlicher Bindung an die „Vereinigung Jugendburg Ludwigstein e.V.'" 1965 wird der Verein aus rechtlichen Gründen in „Freundeskreis Sudetendeutscher Wandervogel e. V." mit Sitz in Waldkraiburg umbenannt.

 

Eine ähnliche Entwicklung macht der „Freundeskreis der Wandervögel aus dem Böhmerwald" durch. Nach Sammlung der Wandervögel aus dem ehemaligen Südkreis um Dr. Erik Nerad wird 1961 beschlossen, einen Südkreis im Rahmen des „Freundeskreises" zu gründen. Die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister erfolgte 1963. Dr. Erik Nerad übernimmt bis zu seinem Tod 1983 die Führung, anschließend wird sie Otto Schramek, Mittelbiberach übertragen.

 

Beide Vereine, die anfangs getrennte Wege gingen, schlossen sich 2003 zusammen und geben ein gemeinsames Mitteilungsblatt heraus, den „Greif", der zweimal jährlich erscheint. In der Woche nach Pfingsten wird jeweils ein gemeinsames Jahrestreffen nahe der böhmischen Grenze abgehalten, zu dem Gäste gerne begrüßt werden. Zurzeit ist Otto Schramek Obmann der zusammengeschlossenen Vereine.

 

 

Wünschen Sie weitere Auskünfte?

Dann wenden Sie sich bitte an den Obmann des Vereins Otto Schramek oder an das Archiv des Sudetendeutschen Wandervogels in der Stadt Waldkraiburg.

Otto Schramek

Schadstraße 36

88441 Mittelbiberach

Tel.: 07351/13556

 

Archiv des Sudetendeutschen Wandervogels

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Stadtarchivar Konrad Kern

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